05 August 2016

müssen alle mit festival

*ENGLISH BELOW*
Hallo da draußen,

mit diesem Post möchte ich mitteilen, dass ich das „Müssen Alle Mit Festival“ dieses Jahr nicht moderieren werde.

Vor einiger Zeit bekam ich die Anfrage, ob ich die Moderation übernehmen wollen würde und ich bejahte direkt, weil ich den Organisator mag und es sich nach einer guten Sache anhörte. Jetzt allerdings, da das Line-Up feststeht, stelle ich fest, dass es nicht einen einzigen weiblichen Act beinhaltet. Nicht einmal eine Band mit weiblichen Musikern (ich weiß, ich weiß, noch einer dieser Facebook Posts über diesen Mist). Also habe ich mich entschieden zurückzutreten. Glücklicherweise hat sich in der Zwischenzeit Alexander Tsitsigias von Schrottgrenze bereit erklärt, den Job zu übernehmen.

Wenn ihr einen Moment habt, lest doch bitte meine drei Gründe, die meine Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben:

1. Während meiner jüngsten Abenteuer als Gitarristin für Olli Schulz habe ich im letzten Jahr auf vielen der größten Festivals in Deutschland spielen dürfen. Vor und nach unseren Auftritten schaute ich mich nach den weiblichen Acts des Line-Ups um oder suchte nach den Bands mit Frauenpräsenz auf der Bühne. Das Resultat war stets ziemlich entmutigend (Haldern Pop ausgenommen, da es ein guter Beweis dafür ist, dass eine Kombo aus talentierten männlichen und weiblichen Künstlern ebenfalls Tickets verkaufen kann). Viele Booker geben an, dass sie keine bestimmte Gender Ausrichtung verfolgen – und dieser Gedanke ist auch ganz wunderbar – nur resultiert ihre „Gender-Blindheit“ zu häufig in der Buchung meist ausschließlich männlicher Künstler. Also kommt diese „Unvoreingenommenheit“ den männlichen Bands irgendwie zugute. Bevor ihr jetzt argumentiert „Das liegt halt daran, dass so viele großartige Bands zufälligerweise nur aus Männern bestehen“ – und in diesem Punkt würde ich euch vielleicht sogar zustimmem – bleibt bitte noch bis Punkt 3 bei mir (das ist der wichtigste Punkt).

2. Ich habe nichts gegen die Bands, die auf dem Festival spielen werden – vielmehr bin ich ein Fan von vielen von ihnen – aber es fühlt sich merkwürdig an, dass die einzige weibliche Musikerin auf der Bühne nur dafür da sein soll, die Männer anzukündigen. Ich möchte mit meiner Präsenz auf der Bühne einfach nicht den Eindruck vermitteln, ich sei der Meinung, eine Moderatorin würde sieben reine Männerbands ausbalancieren können.

3. (der wichtigste Punkt) Wir Musiker haben alle unsere Helden. Die meisten von uns haben sicher ihre ganz eigene Geschichte, wann sie Neil Young das erste Mal hörten oder Stewart Copeland entdeckten oder Radiohead das erste Mal sahen… Oder vielleicht hörten sie PJ Harvey oder sahen Brittany Howard oder entdeckten Grimes… Aber an einem gewissen Punkt dachten wir alle: „Das ist es, was ich machen will“ und aus diesem Grund fingen wir an, Musik zu machen. Wenn nun also Leute behaupten, es gäbe nicht genug gute weibliche Künstler da draußen, lautet meine Antwort: Ihr habt recht! Aber das liegt nicht daran, dass talentierte Frauen nicht existieren, sondern einzig und allein daran, dass diese (noch) nicht wissen, dass es einen Platz für sie in der Musikszene gibt. Wenn Mädchen/Frauen andere Mädchen/Frauen auf der Bühne sehen, kann dies die Ermutigung und Inspiration für sie sein, sich dasselbe zu zutrauen. Ich bin der Meinung, wir müssen uns einfach alle etwas mehr Mühe geben: Andere – jede und jeden – mit einzuschließen, die Augen offen zuhalten, nicht zu schweigen, weil es für manchen Booker oder Musiker unbequem sein könnte — nur für den Moment. Nur für den Moment, denn letztendlich profitieren wir alle davon: Von mehr Musik – interessanter, vielseitiger, schlechter und großartiger Musik – und Festival Line-Ups, die sich selbst ausgleichen.

xK.

***KOMMENTARE AUF FACEBOOK HIER: https://www.facebook.com/katfrankie/posts/10153545768711741***

PS: Bezüglich anstehender Kommentare: Anstatt sich über Gender/Feminismus/Frauenquote zu streiten (die Argumente wiederholen sich nur), würde ich viel lieber Vorschläge deutsch-basierter Bands hören, die mindestens ein weibliches Bandmitglied haben. Lasst mich beginnen:

Susie Asado
Me and My Drummer
Die Heiterkeit
Celina Bostic
Cäthe
Itaca
Y’Akoto
Mary Ocher and Your Government
Gurr
Magic Island
Dear Reader
New Found Land…
und und und….???

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Hi there,

I’d like to let you know that I won’t be hosting the „Müssen Alle Mit Festival“ this year.

I was asked to take part some time ago, to which I quickly agreed because I like the organiser and it sounded like a fun thing to do. However, now that the line-up is complete, not one female act has been included. Not even a band with a female musician present (I know I know, another facebook post about this crap). So I’ve decided not to take part. In the meantime, Alexander Tsitsigias from Schrottgrenze will be taking over.

If you have a moment, here are the three things that influenced my decision:

1. During my recent adventures as a guitarist for Olli Schulz, I played many major music festivals in Germany over the last year. Before and after our shows I’d hunt for the female acts in the line-up, or just walk around looking for the bands that had a woman on stage. The results were pretty disheartening (except for Haldern Pop, which proves that a good mix of talented male and female acts can sell tickets). Many bookers argue that they have no conscious gender bias – and this is a wonderful idea – however, their ‘gender-blind’ booking too often results in mostly male bands being booked. Somehow having ‘no bias’ almost always favours male bands. Before you argue “that’s because there are so many more great bands that happen to have guys in them” – and I would agree with you – bear with me for point 3 (it’s the most important bit).

2. I have nothing against the bands that will play – in fact I’m a fan of many of them – but it feels strange that the only female musician on stage will be there to introduce the men. I don’t want my presence to imply that booking 7 all-male bands is somehow balanced by booking 1 female moderator.

3. (the important bit) All of us musicians have our heroes. Most musicians will have a story about the first time they heard Neil Young or discovered Stewart Copeland or saw Radiohead for the first time… or maybe they heard PJ Harvey or saw Brittany Howard or discovered Grimes… but at some point we all thought, “I see myself doing that” and that inspired us to start making music. So when people say, “there just aren’t enough good female artists out there” my answer is this is: you’re right, but it’s not because talented women don’t exist; it’s because they don’t know yet that there’s a place for them in music. When girls/women see other girls/women perform it encourages them to do the same, and I think we need to make a little extra effort – to be inclusive, to just keep an eye on things, to not be silent because it might make bookers or other musicians uncomfortable – just for now. Just for now, because it benefits everyone: with lots more music(!) – interesting music, different music, bad music and amazing music – and festival line-ups that equalize themselves.

xK.

***COMMENTS ON FACEBOOK HERE: https://www.facebook.com/katfrankie/posts/10153545768711741***

PS: Regarding comments: rather than fighting about gender/feminism/frauenquota etc (the arguments just repeat themselves), I’d love to hear suggestions for German-based bands that have at least one female band member. Let me start:

Susie Asado
Me and My Drummer
Die Heiterkeit
Celina Bostic
Cäthe
Itaca
Y’Akoto
Mary Ocher and Your Government
Gurr
Magic Island
Dear Reader
New Found Land…
and and and…???